Le Corbusier/Ozenfant - Aprés le Cubisme


Le Corbusier/Ozenfant - Aprés le Cubisme

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Ein frühes Manifest der Moderne, aus dem Französischen übersetzt und mit einem Essay versehen von Hartmut Mayer. Vorwort von Klaus Jan Philipp.

1917 lernten sich der französische Maler und Modeschöpfer Amédée Ozenfant (1886-1966) und Charles-Edouard Jeanneret (1887–1965) kennen, der später als Le Corbusier zum einflussreichsten Architekten des 20. Jahrhunderts avancierte. Da er in jungen Jahren als Architekt kaum gefragt war, widmete er sich mit Ozenfant der zeitgenössischen Malerei. Ozenfant hatte den Kubismus zunächst als richtungsweisende Kunstströmung gefeiert, sah dann aber die Gefahr, der Kubismus könne im Dekorativen erstarren. Um das zu verhindern, schwebte ihm eine Rückkehr zu den Ursprüngen und reinen Formen vor. Das fand die volle Unterstützung des malenden Architekten Jeanneret, der von sich behauptete, auf der Leinwand in die “Geheimnisse der Form“ eingeweiht worden zu sein.

Im Dezember 1918 präsentierte beide die Ergebnisse ihrer künstlerischen Arbeit und stellten ihre Gemälde in einer Pariser Galerie aus. Purismus nannten sie die neue Stilrichtung und begründeten sie in dem gemeinsam verfassten Manifest “Après le cubisme“ (Nach dem Kubismus). Dieses Manifest trägt bereits sämtliche Züge, die Corbusiers berühmteste Programmschrift „Vers une architecture“ (1922) ausmachen werden: es ist arrogant, rücksichtslos und besserwisserisch, allerdings auch bemerkenswert stringent in der Argumentation. Kaum zu glauben, dass dieser so spannende und aufschlussreiche Text, der vor hundert Jahre entstand, nicht ins Deutsche übersetzt wurde.

Die noch heute provokanten Thesen hat Hartmut Mayer in eine Sprache übertragen, die dem Original in Wort und Wortstellung zu folgen sucht und dabei den apodiktischen Sprachgestus und die parataktische Anordnung der Sätze beizubehalten sucht. Hartmut Mayer, von Hause aus Architekt und habilitierter Architekturtheoretiker, hat außerdem einen äußerst instruktiven Essay geschrieben, der dem Laien das Verständnis erleichtert und dem Experten die Traditionslinien offenlegt, innerhalb derer sich die kunsttheoretischen Debatten im Paris des frühen 20. Jahrhunderts bewegten.

Le Corbusier (Charles-Édouard Jeanneret) wurde 1887 in der französischen Schweiz geboren. Seine Vater besaß eine Emaillier-Werkstatt in La Chaux-de-Fonds. Le Corbusier besuchte die örtliche Kunstgewerbeschule, entschied sich dann aber für die Architektur und Malerei. Seine ersten Reisen führten ihn nach Norditalien, Budapest und Wien. 1908 lernte er Paris kennen und arbeitet eine Zeitlang im Büro Auguste Perrets, dem Pionier der modernen Stahlbeton-Architektur. Reisen nach Deutschland machten ihn bekannt mit Heinrich Tessenow und Peter Behrens, dem Chefarchitekten der AEG, bei dem er mehrere Bauprojekte bearbeitet. 1917 verlegte er seinen Wohnsitz endgültig nach Paris und lernte den Maler Amédée Ozenfant kennen. Sie schrieben gemeinsam das Manifest Après le Cubisme und gründeten 1920 die Zeitschrift L’Esprit Nouveau, in der Jeanneret sein Pseudonym Le Corbusier zu verwenden begann. 1922 gründete Le Corbusier mit seinem Vetter Pierre Jeanneret ein Architekturbüro. In dieser Partnerschaft entstanden Entwürfe, Bauwerke und Stadtplanungen von internationaler Geltung. Le Corbusier starb 1965 in Cap-Martin beim Baden. Seit 2016 gehören 17 seiner Bauten zum UNESCO-Welterbe.

Amédée Ozenfant wurde 1886 in der französischen Provinz geboren und zog schon mit 18 Jahren nach Paris, wo er an der Kunstakademie studierte und nebenbei in einem Architekturbüro arbeitete. 1908 fand im Salon de la Nationale in Paris erstmals eine Einzelausstellung seiner Gemälde statt. In den Folgejahren bereiste er Russland, Italien, Belgien und die Niederlande. 1915 gründete er die Zeitschrift L’Elan, in der er seine ersten Ideen zur puristischen Malerei publizierte. Mit Charles-Edouard Jeanneret schrieb er nach Après le cubisme noch den Text La Peinture moderne und gab die Zeitschrift L’Esprit Nouveau von 1920 bis 1925 heraus. 1922 entwarf Le Corbusier für Ozenfant ein Wohnhaus und Atelier mit Vorhangfassade, das im 14. Arrondissement in Paris steht. Mit anderen Künstlern, darunter auch Fernand Léger, betrieb Ozenfant in Paris ab 1924 eine private Malschule. Später gründete er seine eigene Akademie, die er 1935 nach London verlegte und ab 1939 in New York unter dem Namen School of Fine Arts weiterführte. Erst 1955 kehrte Ozenfant wieder nach Frankreich zurück. Er starb im Mai 1966 in Cannes.

Hartmut Mayer studierte in Stuttgart Architektur und Stadtplanung und in Tübingen Philosophie. Er promovierte 2003 bei Klaus Jan Philipp und wurde im Fach Architekturtheorie an der Universität Stuttgart 2016 habilitiert. Als Privatdozent lehrt er am Institut Grundlagen moderner Architektur (Igma) an der Universität Stuttgart und ist als praktizierender Architekt im Bereich öffentlicher Bauten tätig. Folgende Buchpublikationen liegen von ihm vor: Die Tektonik der Hellenen. Kontext und Wirkung der Architekturtheorie Karl Böttichers (Stuttgart / London 2004); Paul Ludwig Troost. „Germanische Tektonik“ für München (Tübingen / Berlin 2007); Mimesis und moderne Architektur. Eine architekturtheoretische Neubewertung (Bielefeld 2017).

ISBN: 978-3-928249-78-2
Paperback
112 Seiten, 22 x 15,5 cm – 12,90 €

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